Allgemeines:

 

Die Bechterewsche Erkrankung ist eine chronisch-rheumatische Krankheit, die vor allem die Wirbelsäule und die peripheren (rumpfnahen) Gelenke betrifft. Da es im Verlauf der Krankheit meist zu einer knöchernen Versteifung der Wirbelsäule führt, spricht man auch von der "Bambusstab-Wirbelsäule". Früher hörte man bei Frauen auch den Begriff "Witwenbuckel".

 

Der lateinische Fachbegriff lautet Spondilitis ankylosans oder auch ankylosierende Spondilitis, meistens jedoch als Morbus Bechterew bezeichnet.

 

Typische Symptome:

 

  • Tiefsitzende Rückenschmerzen, verbunden mit Bewegungseinschränkungen in der Lendenwirbelsäule
  • Langsamer Beginn, der sich über Wochen bzw. Monate (manchmal sogar Jahre) hinziehen kann
  • Steifigkeit und Schmerzen treten vor allem in den frühen Morgenstunden auf (der Patient muss sich erst  "Einlaufen")
  • Bewegung führt zu einer Besserung - dagegen Ruhe zu einer Verschlimmerung der Schmerzen (bei anderen nicht entzündlichen Rückenleiden ist dies umgekehrt)
  • Schmerzen im Brustkorb, die sich beim tiefen Einatmen verschlimmern (werden durch Niesen verstärkt)
  • Fersenschmerzen
  • Regenbogenhautentzündung (Iritis) treten bei etwa 35 % aller Betroffenen auf.
  • Andauern der Beschwerden länger als 3 Monate
  • Beginn der Krankheit meistens im Alter von 15 - 35 Jahren
  • Deutliche Besserung durch die Einnahme von antirheumatischen Medikamenten,  erneute Schmerzbelastung beim Absetzen der Medikamente .
  • Häufig (aber nicht zwingend) kann man im Blut das Erbmerkmal HLA-B27 nachweisen

 

Dies ist nur ein Überblick der häufigsten Symptome. Da der Bechterew  bei jedem Betroffenen anders verläuft, könnte man die Liste wohl unendlich erweitern...

Da der Morbus Bechterew bei jedem anders auftritt und sehr vielfältige Symptome zeigt, sollte die Diagnose unbedingt ein Fachkundiger Arzt stellen.

 

Zu den wichtigsten Diagnoseverfahren gehören:

 

Anamnese und Untersuchung

 

Der entzündliche Rückenschmerz ist nur eines von vielen Zeichen, die auf einen M. Bechterew hinweisen können. Meistens beginnt die Erkrankung mit einer Entzündung im Illiosacralgelenk (ISG). Hier kann der Arzt das so genannte Menell´sche Zeichen testen.

 

Zu diesem Zweck legt der Patient sich auf den Bauch. Durch Festhalten des Kreuzbeines mit der Handfläche und Überstreckung des betreffenden Beines wird das Becken gegenüber dem Kreuzbein im ISG bewegt. Dabei wird ein Schmerz ausgelöst, der auf eine Sakroilitis hinweist.

Röntgen

 

Die ersten Veränderungen sind meistens im Bereich der Illiosacralgelenke auf dem Röntgenbild sichtbar. Hier typisch sind z.B.

  • Unscharfe Gelenkkonturen
  • Perlschnurartig angeordnete Knochendefekte
  • Gelenknahe Knochenverdichtungen

Im späteren Verlauf sind auf dem Röntgenbild der Wirbelsäule diese typischen Zeichen zu erkennen.

 

  • Kastenwirbel (kastenartige Verformungen der einzelnen Wirbel)
  • knöcherne Spangen zwischen den Wirbelkörpern

 

Magnetresonanztomographie (MRT)

 

Im Gegensatz zum Röntgen lassen sich bei der MRT bereits Weichteilveränderungen darstellen, bevor es zur Verknöcherung kommt. Auch gibt es keine Strahlenbelastung bei der MRT.

 

Labor

 

Beim typischen Verlauf eines Bechterews lassen sich im Blut eine erhöhte Blutsenkung (BSG) und eine Erhöhung des Creativen Proteins (CRP) nachweisen. Beides sind Zeichen einer Entzündung. Bei einem milden Verlauf können diese Zeichen sehr gering ausfallen oder gar nicht auftreten.

Der Nachweis des HLA-B27 im Blut kann nur der Diagnosekräftigung bei einem deutlichen Verdacht dienen, da zwar 95 % aller Morbus Bechterew-Patienten HLA-B27 positiv sind, hingegen aber 7-8 % der Gesunden ebenfalls HLA-B27 positiv sind.